Prozess

Mönch am Meer

Zweieinhalb Jahre wurde das Meisterwerk „Mönch am Meer“ von Caspar David Friedrich restauriert und kehrte 2016 zurück in die Alte Nationalgalerie in Berlin. Die Restauratorinnen Kristina Mösl und Francesca Schneider haben bei der Arbeit an dem berühmten Gemälde erstaunliche Details aufgedeckt. 

 

Ein dunkler, bewölkter Tag. Oder ist es Abend? Oder gar früher Morgen? Zieht ein Sturm auf? Dieses Gemälde verrät es nicht. Und dann gibt es diesen schmalen Sandstreifen am Wasser. Und eine geheimnisvolle Figur, ein Mönch der in die Ferne blickt.

 

Das Gemälde "Mönch am Meer", 1810, von Caspar David Friedrich, 1774 – 1840, ist eines der bedeutendsten deutschen Kunstwerke aller Zeiten und gilt als „das“ Gemälde der deutschen Romantik. Im Zuge einer kunsttechnologischen Untersuchung und grundlegenden Restaurierung von Mai 2013 bis Januar 2016in der Restaurierungsabteilung der Alten Nationalgalerie in Berlin, konnten die Restaurator-innen Kristina Mösl und Francesca Schneider, in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen, Laboren und Experten, spannende und erkenntnisreiche Details, unter anderem hinsichtlich des Schaffens-prozesses, zu Tage befördern.

Mittels Infrarot-Reflektografie wurde eine akkurate, detailreiche schwarz-weisse Unterzeichnung der Komposition entdeckt. Diese macht den Schaffens-prozess an diesem Gemälde nachvollziehbar und zeigt, wie Friedrich das Bild ursprünglich geplant hatte. 

Beim "Mönch am Meer" wird die Entleerung der Seelandschaft deutlich: Der Künstler übermalte drei geplante Segelschiffe, zwei Schiffe links und rechts des Mönches, sowie Pfähle mit Fischernetzen am Ufer und trieb damit die „unendliche Einsamkeit“ in jener „unbegrenzten Wasserwüste“ auf die Spitze. Zwei Jahre arbeitete Friedrich intensiv an dieser Komposition, bis er sich gegen die gegenwärtige klassische Bildkon-struktion und für die radikale Leere und die Einsam-keit des Mönches entschied. Das radikal leere Bild kommt in elementarer Weise mit nur vier Gegen-ständen aus: Mönch, Strand, Meer und Himmel.

 

Dieser Prozess, die Vereinfachung und das minutiöse herausschälen des Bildinhaltes ähnelt im Ansatz den Methoden sowohl der Personenorientierten als auch der Lösungsorientierten Maltherapie IHK. Durch die "Entleerung" der Seelandschaft, welche vergleichbar ist mit der "Klärung" des Bildes, können Gedanken und Gefühle ergründet werden. Zeitgleich werden sie sicht- und erlebbar. Das Malen einfacher und konkreter Bilder reduziert, respektive lindert spürbar und nachhaltig die vom Malenden empfundenen Belast-ungen wie Stress, Trauer, etc. 

 

"Die einzig wahre Quelle ist unser Herz, die Sprache des reinen kindlichen Gemütes. Ein Gebilde, so nicht aus diesem Borne entsprungen, kann nur Künstelei sein. Jedes echte Kunstwerk wird in geweihter Stunde empfangen und in glücklicher geboren, oft dem Künstler unbewusst aus innerem Drange des Herzens."

 

– Caspar David Friedrich

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Caspar David Friedrich - "Mönch am Meer", 1810

Endzustand nach Restaurierung Staatliche Museen zu Berlin

Nationalgalerie

Foto: Kristina Mösl, Francesca Schneider

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Caspar David Friedrich - "Mönch am Meer", 1810

Infrarotaufnahme, Zwischenzustand nach Abnahme der Altkittungen und –retuschen

Staatliche Museen zu Berlin

Nationalgalerie

Foto: Kristina Mösl, Francesca Schneider

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Caspar David Friedrich - "Mönch am Meer", 1810

Infrarotaufnahme, Schiffe

Staatliche Museen zu Berlin

Nationalgalerie

Foto: Kristina Mösl, Francesca Schneider